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Unser Grundkonzept der Organisations- und Gruppendynamik

Wahrnehmen und Zuhören

Nur wer wahrnimmt und zuhört, was geschieht, kann darauf reagieren. Ein solches Zuhören ist lernbar - nicht als «Technik», aber als ein aufmerksames und einfühlendes Offensein gegenüber dem Gesprächspartner. Zuhören beinhaltet die Fähigkeit, Ungewohntes zu akzeptieren und die Welt «mit den Augen des anderen» zu sehen.


Eine organisationsdynamische Perspektive eröffnet den Blick auf das Wechselspiel zwischen den formalisierten und ordnenden Strukturen einerseits und den psychosozialen Prozessen andererseits. Damit eine Organisation ihren Zweck erfüllen kann, benötigt sie Stabilität und Personenunabhängigkeit in der Struktur. Dies bietet den Mitarbeitenden klare Orientierungspunkte. Zugleich stehen Organisationen vermehrt unter dem Druck, sich fortwährend flexibel an die Umwelt, die Impulse und Tendenzen von Innen und Aussen anzupassen, um nicht zu erstarren. Dies bringt die Notwendigkeit von kontinuierlichen Veränderungen mit sich und kann in unterschiedlichem Ausmass verunsichernd wirken.

Eine gruppendynamische Herangehensweise fokussiert die Beziehungsdynamik innerhalb von Organisationen, die sich im Zusammenhang mit der Bildung, dem Fortbestand und dem Abschluss von Gruppen und Teams ergibt. Derartige Entwicklungsstufen sind ständige Prozesse von Sympathie- und Antipathie-Bekundung, von Ausschluss und Integration von Aussenseitern, sowie von Einflussnahme von bzw. Widerstand gegenüber Autoritäten. Auch wenn diese Prozesse meist im Hintergrund stattfinden, laufen sie immerzu parallel zum organisationsdynamischen Geschehen mit ab. Gruppe und Teams werden erst dann arbeitsfähig und erfolgreich sein, wenn die Bearbeitung auch dieser Themen möglich ist.

Eine solch gruppen- und organisationsdynamische Grundhaltung zeichnet sich durch drei Merkmale aus:

  • Erstens bedeutet es, sich immer wieder aufs Neue mithilfe einer "forschenden Grundhaltung" fragend und neugierig sowohl dem Fremden als auch dem fraglos Funktionierenden zu nähern. Es beinhaltet eine kritische Zurückhaltung gegenüber sich schnell aufdrängender Offensichtlichkeit und dogmatischer Wahrheit.

  • Zweitens braucht es die "Fähigkeit zum Perspektivenwechsel", d.h. zur Empathie. Man versetzt sich in die Rolle und Position eines anderen und versucht den Sachverhalt aus dieser subjektiven Sicht heraus zu sehen. So erhält man eine unmittelbare Idee von möglichen Ordnung- und Befindlichkeits-Zuständen und kann dadurch sowohl die Antriebs-Kräfte als auch mögliche unerwartete Reaktionen besser begreifen.

  • Drittens ist mit dieser Haltung die starke Zuversicht verbunden, dass "Systeme sich selbst erhalten wollen". Auch unter schwierigsten Umständen sind sie Willens und in der Lage sind, sich selbst zu organisieren und zu steuern. Diese Zuversicht gegenüber handelnden Einheiten ist unmittelbar mit der Fähigkeit zur konsequenten Zurückhaltung im Agieren und Intervenieren gekoppelt: "so viel wie nötig – so wenig wie möglich.